Aus der MZ vom 20.06.2016

„Alte Dame“ erhält ihren Glanz zurück

RENOVIERUNG Die St. Anna-Kirche wird saniert.
Dabei bekommt die kleine Kirche neben dem
Rathaus auch einen neuen Zugang zur Empore.


Von Jochen Dannenberg


Monsignore Johannes Hofmann mag die kleine Kirche St. Anna. Sie ist ein „wirkliches Kleinod“, sagt er. Fotos: Dannenberg

NEUSTADT. Ein Ort der Stille, der Andacht, der Einkehr und des Gebets sollen Kirchen sein – das trifft für die meisten Kirchen zu, nur nicht für die kleine Kirche St. Anna. Hier sind vor mehreren Wochen die Handwerker eingezogen, um den Innenraum der Kirche, die Stadtpfarrer Monsignore Johannes Hofmann unlängst noch ein „wirkliches Kleinod“ genannt hatte, zu renovieren.
Es gibt viel zu tun in der kleinen Kirche. „Die Raumschale muss erneuert werden, das Gestühl überholt und die Empore statisch gesichert werden“, sagt der Geistliche. Außerdem soll ein neuer Zugang zur Empore geschaffen werden. Bisher ist der über das Rathaus und hier über das Standesamt möglich.

Die Kirche St. Anna soll durch die Renovierung eine freundlichere Wirkung bekommen. Dazu wird der Innenraum neu gestrichen, außerdem wird eine neue Lichtanlage installiert. Das soll auch dazu beitragen, den Edelsteinen der Hildegard von Bingen, die in St. Anna zu sehen sind, eine neue Leuchtkraft zu geben.

Zuletzt war die St. Anna-Kirche im Jahr 2003 saniert worden. Diese Maßnahmen betrafen die Fassade und den Dachstuhl. Dabei wurde das Mauerwerk im unteren Bereich trocken gelegt, mit einer Drainage versehen und neu verputzt. Der Dachstuhl wies große Schäden wegen Feuchtigkeit und Schädlingsbefall auf. Ein großes Problem war auch die Renovierung des Turms, er hatte sich um mehrere Zentimeter nach Westen geneigt und lehnte am Dachstuhl.

Stadtarchivar Anton Metzger kennt die Geschichte der kleinen Kirche neben dem Rathaus. „Eine Kirche an dieser Stelle wird erstmals 1508 in einem Visitationsprotokoll des Bistums Regensburg erwähnt“, sagt er. Der Name St. Anna findet sich erstmals 1617 in den Quellen. Wie die Kirche damals ausgesehen hat, ist nicht überliefert. Sicher ist: „Die St. Anna-Kirche wurde 1715 in ihrer heutigen barocken Bauweise, an der Ostseite des Rathauses, neu erbaut oder stark verändert. Nach vierjähriger Bauzeit wurde sie 1719 durch den Regensburger Weihbischof eingeweiht.“


Ein Gerüst steht in St. Anna. Früher standen hier die Sitzbänke.
Der halbrunde Altarraum an der Ostseite wird von einem Muschelgewölbe gekrönt. Darüber erstreckt sich der quadratische Turm, im Obergeschoss achteckig mit Zwiebeldach. „Der Turm hatte einst zwei Glocken, von denen die eine mit spätgotischen Minuskeln „1428, Chunrod Lichtenperger“ zwischen zwei Ringen beschriftet war“, weiß Anton Metzger. Die andere stammte aus dem Jahr 1749 von Felix Koch aus Stadtamhof (Regensburg). Beide Glocken mussten im Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden. Heute hat die kleine Kirche nur noch eine Glocke. Das Tonnengewölbe über dem Langhaus ist reich an Stuckarbeiten aus Blattstäben, Rankenwerk und Engelsköpfen. Die Deckengemälde mit ungewöhnlichem allegorischen Inhalt beziehen sich auf die Heilssymbolik von Edelsteinen.

Eine Besonderheit der Empore im Westen ist der Umstand, dass sie nur vom Rathaus aus zugänglich ist. Sie war in früheren Zeiten den Ratsherren vorbehalten.

Heute gelangt man auf die Empore durch das Trauzimmer des Rathauses. Die drei Altäre stammen vom Neustädter Schreiner Anton Schnidtmann. Vier glatte und zwei gewundene Säulen flankieren das Altarbild, das Joachim und Anna mit Maria zeigt. Im Oberbild wird Gottvater dargestellt.

Mit der Renovierung ist die St. Anna-Kirche bis Ende der Arbeiten nicht mehr begehbar. Unterdessen stehen in der Pfarrei St. Laurentius die nächsten Aufgaben an. In Mauern müssen die Kirchhofmauer und das Leichenhauses renoviert werden.

Ansichten aus St. Anna


> Die Empore in der Kirche St. Anna war bisher nur über das benachbarte Rathaus (genauer gesagt: über das Standesamt im Rathaus) zu erreichen. Künftig soll die Empore einen eigenen Zugang vom Innenraum der Kirche bekommen.

> Der Innenraum der kleinen Kirche war zuletzt etwas „angestaubt". Mit einem neuen Anstrich und einer neuen Beleuchtung soll die Kirche in Zukunft freundlicher wirken. Das Gitter soll übrigens bleiben, sagt Monsignore Johannes Hofmann.

> Kaum etwas, was zur Inneneinrichtung der Kirche St. Anna gehörte, ist noch an seinem angestammtem Platz. Sogar diese Dielenbretter wurden abgebaut. Die Sitzbänke sind für die Dauer der Renovierung ebenfalls verschwunden.

> Wie notwendig die Renovierung der Kirche St. Anna war, zeigt auch diese Detail- aufnahme einer Sitzbank. Das Holz der Bank hat im Lauf der Jahrzehnte seine einstige Farbe weitgehend verloren und ist mehr grau als braun geworden.


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