Bericht der MZ vom 28.05.2014 

Menschen gedenken der Katastrophe

Vor 15 Jahren wurden Neustadt und etliche seiner Ortsteile nach einem Dammbruch überflutet.
Am Wochenende erinnerten sich die Menschen und beteten.


In einer langen Prozession pilgerten die Menschen zur Gedenkstelle am Damm, wo die Donau durchbrach. Fotos: zpi

NEUSTADT. Hohe kirchliche Würdenträger beider Konfessionen nahmen am 15. Hochwassergedenktag an der Prozession von der Eichreiskapelle  zum  Hochwassergedenkstein  am  Polderdamm  teil.  Monsignore  Johannes  Hofmann  freute  sich  über  die  vielen Gläubigen und besonders über die Teilnahme von evangelischer Seite mit Regionalbischof Hans- Martin Weiß und Pfarrer Dr. Murrmann-Kahl,  Domdekan  Prälat Anton  Wilhelm,  Kaplan  Karsten  Wilhelm  und  Pfarrvikar  Joseph,  Vertreter  der  Politik  und kirchlichen Verbände. An der Eichreiskapelle erinnerte Hofmann an die Hochwassermarken und den Zustand der Kapelle nach dem Dammbruch. Singend und betend zogen die Gläubigen zur Dammbruchstelle und mit Liedern und Fürbitten gedachte man des Ereignisses, das viele Mitbürger im Jahre 1999 großen Schaden zufügte.

Frage nach dem „Warum“ bleibt
Regionalbischof Weiß zog Vergleiche aus der Bibel und wusste „Wasser kann Gefahr sein, aber auch lebensrettend sein“. Er habe das Hochwasserereignis mit Schrecken vernommen. „Man kann aber Gott nicht für alles verantwortlich machen, was die Natur uns bringt, wenn auch die Frage nach dem Warum bleibt“. Wilhelm erinnerte an seine damals beklemmende Wahrnehmung beim Neustadt-Besuch als er eine riesige Wasserwüste vorfand. Er durfte aber auch eine beeindruckende Hilfsbereitschaft erleben, denn sinnbildlich wurden viele Brücken nach Neustadt geschlagen.

Mit Fürbitten, Gebeten und Musik der Jungbläser unter der Leitung von Roland Hirmer endete die eindrucksvolle Gedenkfeier unter dem Kreuz an der Bruchstelle, das von der christlichen Bauernbruderschaft mit frischen Blumen geschmückt war.

Der 3. Bürgermeister der Stadt Neustadt, Bernhard Rieger, erklärte im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung: „Das Hochwasser an Christi Himmelfahrt 1999 hatte vor allem Irnsing und Hienheim betroffen. In der Kernstadt war dies vielfach unbeachtet geblieben. An Pfingstsamstag war mir im Zug auf der Fahrt von München nach Ingolstadt aufgefallen, dass die Ilm bei Pfaffenhofen so viel Hochwasser führte wie nie zuvor. Am Pfingstsonntag, dem Tag darauf, hatte das Landratsamt Kelheim bereits die Bürgermeister über den Ernst der Situation aufgeklärt. Am Nachmittag wurden die Fraktionssprecher und ein kommunaler Krisenstab einberufen. Bayern 5 war in dieser Situation die beste Informationsquelle, ich hatte einen Stöpsel ständig im Ohr und war damit gut gerüstet.“

Ausmaße waren nicht vorstellbar 

Die Warnungen des Landratsamtes besagten am Pfingstsonntag, dass die Hochwasserwelle den Damm überfluten könnte. „Zum Zeitpunkt des Deichbruches am Pfingstmontag um 8 Uhr, befand ich  mich  am  Irnsinger  Berg  und  habe  den  Hubschrauber beobachtet, der sich gegenüber der anderen Donauseite über der Deichbruchstelle  befunden  hatte.  Etwa  eine  Stunde  später  war bereits der Krisenstab im Rathaus zusammen- gekommen und der damals zuständige Herr vom Wasserwirtschaftsamt Landshut gab die  Höhe 

Geistliche beider Konfessionen nahmen an der Feier teil.
bekannt,  bis  zu  der  die  Überflutung  erfolgen  sollte. Keiner  der  Anwesenden  konnte  sich  zu  diesem  Zeitpunkt vorstellen, wie hoch dies sein könnte.“

Die Hochwassermarke erreichte mit 351,27 m über NN bzw. 202 cm über Flur und steht damit unter den Hochwassermarken an erster Stelle nach der Katastrophe von 1784. (zpi) HILFE VON ALLEN SEITEN > Das „Pfingsthochwasser 1999"richtete in 800 Haushalten mit insgesamt 2000 Personen einen Gesamtschaden in Höhe von 100 Millionen Euro an. Die Schäden der Bürger betrugen 98,54 Millionen Euro. Die der Stadt 1,46 Millionen. An privaten Spenden wurden 3,1 Millionen Euro aufgebracht; Stadt (1,5 Millionen Euro) und Staat (8,2 Millionen Euro) gaben 9,7 Millionen Euro Unterstützung für die Geschädigten. > Da diese Hilfen im Vergleichzu den Schäden doch sehr gering sind, wurde ein Verein zur Unterstützung der Hochwassergeschädigten gegründet, der sich um Spenden bemüht. 

HILFE VON ALLEN SEITEN
> Das „Pfingsthochwasser 1999" richtete in 800 Haushalten mit insgesamt 2000 Personen einen Gesamtschaden in Höhe von 100 Millionen Euro an. Die Schäden der Bürger betrugen 98,54 Millionen Euro. Die der Stadt 1,46 Millionen. An privaten Spenden wurden 3,1 Millionen Euro aufgebracht; Stadt (1,5 Millionen Euro) und Staat (8,2 Millionen Euro) gaben 9,7 Millionen Euro Unterstützung für die Geschädigten.

> Da diese Hilfen im Vergleich zu den Schäden doch sehr gering sind, wurde ein Verein zur Unterstützung der Hochwassergeschädigten gegründet, der sich um Spenden bemüht.


Startseite    Aktuelles