Malta, Megalithkultur, Paulustradition und Johanniter


Jahresausflug der Pfarreien Neustadt und Mühlhausen vom 5. bis 9. Oktober 2015
Fotos: Edgar Maier


Als der Apostel Paulus im Jahre 60 n.Chr. vor der Insel Malta Schiffbruch erlitt und von der dortigen Bevölkerung herzlich aufgenommen wurde, dachte er sicher nicht daran, dass diese Insel einmal als die Perle des Mittelmeeres bezeichnet werden würde. Mitglieder der Pfarreien St. Laurentius und St. Vitus fuhren unter der Leitung von Herrn Pfarrer Johannes Hofmann dorthin.

Malta umfasst 300 Quadratkilometer. Das entspricht etwa einem Drittel der Größe des Landkreises Kelheim; ist aber wesentlich dichter besiedelt.

Während eines zweistündigen Fluges bei Föhnwetter sahen wir die Alpen zum Greifen nahe. Viele Gipfel waren schon mit Schnee bepudert.



In Malta angekommen, nutzten wir den Nachmittag zu einer Rundfahrt durch den Hafen von Valetta. Wir fuhren durch nicht enden wollende Buchten und Nebenhäfen vorbei an Kreuzschiffen, Bohrinseln, Frachtern und Segelschiffen. Manche Yachten ließen immensen arabischen Reichtum erahnen.

Malta kann auf eine 7000-jährige Geschichte zurückblicken. Lange vor den Ägyptern wurden hier Tempel aus ungeheuren Felsblöcken errichtet. Erstaunt frägt man sich, wie konnten diese tonnenschweren Massen bewegt werden. Jeder Frontlader würde bei diesen Gewichten in die Knie gehen.


Herrliches, brausendes Meer sahen wir an der Blauen Grotte. Die Sirenen, die Odysseus mit ihrem Gesang betörten, sollen hier gehaust haben. Hoch über der Ebene ragt weithin sichtbar die alte Hauptstadt Medina auf. Der Name verrät ihren arabischen Ursprung. Medina heißt ummauerte Stadt. Wuchtige Bollwerke, Kirchtürme und die riesige Kuppel der der St Pauls Cathedrale, alles aus dem warmen, ockergelben Kalkstein, leuchteten in der Sonne. Hier soll der Apostel Paulus den römische Statthalter Publius zum Glauben bekehrt haben. Publius wurde später Bischof. Der Boden der Kathedrale ist mit Grabplatten von Geistlichen, Honoratioren und Adeligen belegt. Jede Platte ist aus verschiedenfarbigem Marmor und in filigraner Intarsienarbeit gearbeitet. Wir feierten eine hl.Messe.


Valetta, die heutige Hauptstadt der Insel ist Weltkulturerbe. 1566 wurde die Stadt vom französischen Großmeister des Johanniterordens Jean de la Valette gegründet. Hier besiegten die Ordensritter in heldenhaftem Kampf das osmanische Heer. Noch heute erinnern Artilleriegeschütze und kunstvoll aufgeschichtete Kanonenkugeln an die für Europa entscheidende Schlacht. Die Johanneskathedrale beeindruckt durch ihre Größe. Überreich sind die Wände mit Gold und Silber dekoriert. In dieser Kirche befindet sich eines der berühmtesten Gemälde von Caravaggio. In einem unglaublichen Realismus zeigt es die Enthauptung Johannes des Täufers. Mit eiskalter Gier hält Salome ihre Schüssel zum Henker, der mit dem Messer noch nachhelfen muss, um das Haupt des bereits am Boden liegenden Johannes gänzlich zu trennen.


Die Schwesterinsel Gozo ist mit der Fähre in einer halben Stunde zu erreichen. Ein Bus fährt uns mit oft halsbrecherischem Tempo zu den Sehenswürdigkeiten. Die Straßen sind schmal und holprig. Und immer wieder muss ich gegen den Schreck ankämpfen: Um Himmels willen, der fährt ja links! Gott sei Dank reagiert der Gegenverkehr richtig und weicht aus! Gefühltes Tempo: Arresting- Irnsing 120km/h.
Nachdem Napoleon fast kampflos die beiden Inseln erobert hatte und die Franzosen sich barbarisch benommen hatten, holten die Malteser die Engländer zu Hilfe. Die kamen gerne und behielten Malta und Gozo bis 1964 als Kolonie. Die Malteser wechseln problemlos von Maltesisch ins Englische.
Ggantija (UNESCO-Kulturdenkmal) ist einer der ältesten Megalith-Tempel und vermutlich das älteste freistehend Gebäude der Welt. Wieder ungeheure Steinblöcke kleeblattartig zu vier Räumen gefügt. Ein Fels ist durchgebohrt und zeigt direkt zum Sonnenaufgang. Und immer wieder Darstellungen von Fruchtbarkeitsgöttinnen mal stehend, mal liegend, mal sitzend. Gigantisch wie die Felsblöcke auch ihre weiblichen Formen. Eigenartigerweise sind sie alle ohne Kopf dargestellt. Was sich da der neolithische Künstler wohl gedacht haben mag.


In Victoria (benannt nach der Königin Viktoria) der Hauptstadt von Gozo Besuch der herrlichen Kathedrale. Sie befindet sich innerhalb der Mauern der alten Zitadelle. Ein Deckengemälde erweckt den verblüffenden Eindruck eines riesigen Kuppelgewölbes, obwohl die Decke in Wirklichkeit flach ist.
Mit einem typisch gozetanischen Essen beschließen wir unseren Besuch. Es gibt frisches Brot, Gozo-Wein, verschiedenste Käse, Kapern und sehr Salziges.
Malta und die Malteser werden uns in freundlicher Erinnerung bleiben. Der Malteserorden wie wir ihn kennen ist der katholische und der Johanniterorden der evangelische Teil der Ordensritter.


Auf dem Rückflug präge ich mir ein: In Deutschland gilt wieder rechts vor links!


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