Aus der MZ vom 15.09.2015

Glanz und Gloria an Orgel und Alphorn

KULTUR Die Ingolstädter Orgeltage brachten festlichen Klang nach Neustadt. Christoph „Stofferl“ Well und Dr. Franz Hauk brillierten.

Von Heike Heindl Fotos: Heindl


Christoph Well verschafft dem Alphorn einen Platz in der klassischen Musik – an der Orgel in St. Laurentius Dr. Franz Hauk, Leiter der Ingolstädter Orgeltage.

NEUSTADT. Freitagabend, 11. September 2015. Gegen 20 Uhr füllte sich die Kirche St. Laurentius zum Trompete- und Orgelkonzert „Glanz & Gloria“ im Rahmen der Ingolstädter Orgeltage. Mucksmäuschenstill wurde es, als Kaplan Wilhelm J. Karsten die vielen Gäste begrüßte und die beiden Musiker, Dr. Franz Hauk an der Orgel und Christoph Well – als Stofferl Well war er mit seinen Brüdern Mitglied der „Biermösl Blosn“ - mit Trompete ihre Plätze einnahmen. Gleich zu Beginn des Konzerts bescherte Franz Hauk, der auch der Initiator und der musikalische Leiter der Ingolstädter Orgeltage ist, mit dem wohl bekanntesten Orgelwerk europäischer Kunstmusik, der Toccata und Fuge in d-moll (BWV 565) von Johann Sebastian Bach, Gänsehaut beim Publikum. Das Präludium dieses Stücks steht in der Populärkultur ikonographisch und stereotyp für „Ernsthaftigkeit“ und „sakrale Würde“. In zahlreichen Stücken der populären Musik, in Filmmusik und sogar Computerspielen wird dieses beeindruckende Werk häufig verwendet. Dieses Stück wurde für nahezu jede instrumentale Besetzung bearbeitet. In den letzten Jahrzehnten wurden vermehrt Zweifel an Bachs Urheberschaft geäußert, jedoch zeigen viele Details und die hohe kompositorische Qualität aus heutiger Sicht stark für Bach als Autor.
In Georg Friedrich Händels Suite in D-Dur für Trompete und Orgel, setzte Christoph Well mit seinem grandiosen Trompetenspiel ein und überraschte mit einer Zugabe eines Flötenstücks.

„Ein Orgelstück für eine Uhr“ lautete das folgende Stück von Wolfgang Amadeus Mozart. Er schrieb davon mehrere Stücke im Winter 1790/91 für ein Wiener Wachsfiguren- und Kuriositätenkabinett. Man kann die düsteren Klänge dieser beiden Spätwerke Mozarts nur verstehen, wenn man die Hintergründe ihrer Entstehung kennt. Mit dem Orgelwerk, der Orgelwalze oder Flötenuhr meinte Mozart immer dasselbe Instrument. Es handelt sich dabei um eine mechanische Orgel wechselnder Größe, die mit einem Uhrwerk gekoppelt ist, welches das automatische Abspielen des Orgelwerks in bestimmten regelmäßigen Zeitabständen ermöglicht. Mozarts f-moll-Stücke dienten als Trauermusik zu einer gigantischen Trauershow zu Ehren des wohl berühmtesten österreichischen Feldherrn, Feldmarshall Laudon.

Mit dem Konzert in D-Dur für Trompete und Orgel des italienischen Komponisten Giuseppe Tartini zeigten die beiden Musiker Hauk und Well ihre Perfektion. Das schwierige Trompetenstück meisterte Christoph Well in reiner Perfektion. Glasklar hallte die Trompete durch die Kirche. Das traumhafte Orgelspiel von Franz Hauk dazu ließ die Besucher ganz in die Welt der klassischen Musik fallen. Nach der lebhaften Bewegung des Allegro folgte die Andante, ein besonders schöner Teil des Stücks, endend mit einem Allegro.

Nach großem Applaus ging es in das 17. Jahrhundert zu Johann Kaspar Kerll. Mit dem Capriccio sopra il Cucu, ein fröhliches und launiges Stück, das auf einem Kuckucksruf basiert, der in mannigfaltigen Varianten erscheint. Kerlls virtuose Orgel-und Cembalomusik war stark von der italienischen Musik beeinflusst.

Mit „Bello del granduca“ des niederländischen Komponisten Ian Pieterszoon Sweelinck spielte Franz Hauk eine Komposition aus dem 16.Jahrhundert. Das Grundthema des Stücks stammt aus dem Thema des Tanzes im Jahre 1589 mit dem Titel „O neues Wunder“.

Gespannt waren die Freunde der klassischen Orgel- und Trompetenmusik auf Christoph Wells Uraufführung: Pastorale in Es für Alphorn, Vocals und Orgel. Well spielte mit dem Alphorn und jodelte dezent dazu, in Kombination mit dem Orgelspiel Hauks war es eine hervorragende Darbietung die einen verdienten großen stehenden Applaus mit sich brachte. Mit zwei Zugaben von Jeremiah Clarke „Prince of Denmark und Johann Sebastian Bachs „Jesus bleibt meine Freude“, erfreuten sie ihre begeisterten Zuhörer.

Franz Hauk und Christoph Well, zwei sehr sympathische Profimusiker zeigten Perfektion in jedem Stück. Das Konzert bot den Besuchern einen wunderschönen Abend mit erstklassigem und musikalischem Hochgenuss.

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