Mit der Handauflegung endete ein alter Traum
Quelle: Jochen Dannenberg, MITTELBAYERISCHE ZEITUNG vom 16.10.2012

Bernard Mallmann wusste als Jugendlicher, dass er Priester werden wollte. Das ging am 10.Oktober 2012 Mittwoch in Erfüllung. Erzbischof Müller weihte ihn.

Dienstagmorgen, kurz nach sechs in Neustadt. Es ist dunkel, die Straßenlaternen sind noch eingeschaltet, und es regnet leicht. Auf den Straßen ist es ruhig. Nur neben der Pfarrkirche St. Laurentius herrscht Trubel und trotz der frühen Stunde eine fast schon ausgelassene Heiterkeit. Mitglieder der Pfarrei starten zu einer Pilgerfahrt. Kaplan Wilhelm Karsten spricht noch den Reise- und Pilgersegen. Dann rollt der Bus mit den Neustädtern auch schon aus der Stadt. Über die Autobahn geht‘s zum Münchener Flughafen und von dort mit einem „Lufthansa“-Airbus weiter nach Rom.
Die Pilger erwartet ein umfangreiches Programm. Im Mittelpunkt steht die Priesterweihe des Neustädter Jahres- praktikanten Bernard Mallmann. Nach dem Abitur bei den Domspatzen begann er ein Theologiestudium in Regensburg. Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wurde auf den jungen Mann aufmerksam und schickte ihn nach dem Vordiplom zur Fortsetzung seines Studiums an die „Gregoriana", die päpstliche Universität. Mallmann genießt das Leben in der „Ewigen Stadt". „Es ist einfach wunderschön hier", sagt er. Die Nähe zum Heiligen Vater und zum Vatikan, aber auch das Essen sagen dem schlanken Mann zu, der im „Collegium Germanicum et Hungaricum", einer Einrichtung der Jesuiten, wohnt.
Die Sonne scheint, als der Flieger um kurz nach elf in Rom landet. Mit dem Bus werden die Pilger in ihr Hotel unweit des Petersplatzes gebracht. Zeit für die Sehenswürdigkeiten ist nicht.
Nachdem die Zimmer bezogen sind, geht es mit dem Bus weiter durch den quirligen Verkehr Roms zum „Germanicum". Mallmann und zwei Studienkollegen führen in die Liturgie der Priesterweihe ein. Der Noch-Diakon freut sich über die Gruppe. Auch die Eltern und Geschwister des Priesterkandidaten sind eingetroffen.,Es freut mich ganz besonders, dass ihr euch alle auf den Weg gemacht habt und da seid", ruft er der Gruppe zu. Und schiebt scherzhaft hinterher: „Ich freue mich auch, dass ich morgen nicht alleine vor dem Altar stehen muss."


Als Zeichen ihrer völligen Verfügbarkeit legten sich die Weihekandidaten in der Kirche Sant’ Ignazio ausgestreckt auf den Boden. Anschließend begann die eigentliche Weihe.                                                          Fotos: Tobias Tiltscher, Dannenberg 

Aufregung in den Seminaren
Um 9 Uhr beginnt am nächsten Tag die Feier der Priesterweihe in der Kirche Sant' Ignazio. Alle Plätze in der barocken Kirche sind besetzt, als ein Diakon die vier Kandidaten, die zu Diakonen und Priestern geweiht werden sollen, aufruft. Dann bittet der Direktor des Collegiums den Präfekten der Glaubenskongregation und nunmehrigen Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, die Kandidaten zu weihen. Während die Diakonatskandidaten sodann versprechen, das Evangelium gewissenhaft zu verkünden und von nun an ehelos zu leben, versprechen die Priesterkandidaten ihre Bereitschaft zum Dienst der Leitung und der Verkündigung, zur Feier der Sakramente, der Eucharistie und der Versöhnung sowie zum Dienst des Gebets und der Caritas.

Erzbischof Müller ist in seinem Element. Er spricht über die Aufgaben und das Wesen des Priesters und erinnert, wie einst die Studentenunruhen der sechziger Jahre auch in katholischen Seminaren für Aufregung sorgten.
„Ein Professor hat vor den Seminaristen gesagt, die Lutheraner haben recht. Es gebe keine Grundlage für das Weihesakrament", sagt Müller. Unfug sei das. „Was wir den priesterlichen Dienst nennen, ist eine Darstellung dessen, was Jesus Christus ist." Wenn heute nur wenige junge Männer den Schritt vor den Weihealtar wagten, so der Präfekt der Glaubenskongregation weiter, liege das auch daran, „weil uns eine klare Sichtweise fehlt, was die Kirche und was das Weihesakrament ist."

Sodann legt der Erzbischof vor den Augen Hunderter Festgäste jedem einzelnen Kandidaten die Hände auf. Ihm folgen alle weit über 100 anwesenden Priester, darunter auch Monsignore Johannes Hofmann aus Neustadt. Anschließend wird der Neupriester neu eingekleidet. Monsignore Hofmann legt Bernard Mallmann die priesterlichen Gewänder an. Die vielen Gäste der Feier sehen, wie die beiden sich fest umarmen.
Die Handauflegung ist einer der Höhepunkte der Priesterweihe. Sie ist das Zeichen dafür, dass der Kandidat in die Gemeinschaft der Priester aufgenommen worden ist und „der Heilige Geist in Euch fahre", wie der Erzbischof sagt. Für Bernard Mallmann geht in diesem Moment ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Bereits als Jugendlicher, wissen Eltern und Schulfreunde, hat er von dem Wunsch gesprochen, Priester zu werden. Und Dr. Bernard Mallmann, Vater des Neupriesters, sagt: „Für uns schließt sich ein Kreis." Unmittelbar bevor sein Sohn von der Grundschule im oberbayerischen Glonn auf das Domspatzen-Gymnasium wechselte, habe die Familie Rom besucht. Kurz vor dem Ende einer Stadtführung habe der Reiseleiter „außerplanmäßig" mit ihnen noch die Kirche Sant' Ignazio besucht. Jetzt, 15 Jahre später, steht die Familie wieder hier und feiert die Weihe ihres Sohnes als Priester.


Zahlreiche Neustädter sowie die Familie Bernard Mallmanns waren nach Rom gereist, um gemeinsam mit dem vormaligen Neutstädter Jahrespraktikanten (Mitte) Priesterweihe und Primiz zu feiern.

Sie sind Freunde: Monsignore Hofmann
und die Mallmanns

In Rom stand Mallmann (Mitte) erstmals als Priester am Altar.

Primiz gefeiert
Nach der Einkleidung verlassen alle Priester bis auf die beiden Neupriester den Altarraum, sammeln sich im Mittelgang der Kirche und blicken auf die eben Geweihten. Die übernehmen in diesem Moment die Fortsetzung der Feier. Ein Chor aus ehemaligen Domspatzen und jungen Sängerinnen unter Leitung von Wolfgang Hörlin stimmen das Sanctus aus der Missa Papae Marcelli von Giovanni Palestrina an. Danach lassen sie das Agnus Dei aus demselben Werk folgen. Einen Tag nach der Priesterweihe wird in der Kirche Sant‘ Antonio dei Portoghesi die Primiz gefeiert. Bernard Mallmann liest zum ersten Mal die heilige Messe. Für die weit gereisten Gäste aus Bayern ist dies der wahre Höhepunkt der Pilgerreise. Sie haben sich an diesem Tag sogar noch schöner angezogen als bei der Priesterweihe. Christoph Binninger hält die Primizpredigt, erinnert an Mallmanns Primizspruch „Gott in Christus, das Heil der Welt“ und mahnt die Anwesenden: „Wahres Leben kommt aus der Bibel. Die Wahl Gottes ist die Wahl zu leben, zu schenken und zu lieben. Bernard, wecke diese Sehnsucht in den Menschen auf. Habe Mut.“ Wieder singt der Chor, und so wird die Pilgerreise zu einer Festreise, zu der nicht nur ein wahrlich opulentes Festessen gehört, das von den ehemaligen Domspatzen auch noch mit einigen Liedern garniert wird. Weitere Gottesdienste, unter anderem am Grab des früheren Papstes Johannes Paul II. im Petersdom, folgen. Und während in der Heimat des Neupriesters bereits die Vorbereitungen für die Feiern der Nachprimiz laufen, besichtigt die Pilgergruppe noch wichtige Stätten der katholischen Welt wie die Sixtinische Kapelle, die Vatikanischen Museen und den Petersdom.
Am Ende der Pilgerreise ist der Heilige Geist auch in die Pilger aus Niederbayern gefahren. Erschöpft, aber glücklich, fliegen sie am Samstagnachmittag zurück nach Deutschland. Am Abend, längst ist es dunkel geworden,treffen sie wieder in Neustadt ein.
Und Bernard Mallmann konzentriert sich wieder auf sein Studium. Er folgt seinem Mentor, dem Erzbischof, und wird sich in den nächsten beiden Jahren vor mit Dogmatik beschäftigen.
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