Aus der MZ vom 29. Oktober 2013 Fotos: Dannenberg  


Bürger feiern ihre neue, alte Kirche

Die Kirche im Dorf ist immer noch ein Mittelpunkt des Lebens. Und so war die Teilnahme groß, als die Kirche in Marching wiedereröffnet wurde.


Mit einem festlichen Gottesdienst wurde am Sonntag die Filialkirche „Zu unserer Lieben Frau“ in Marching wiedereröffnet.

  Von Jochen Dannenberg, MZ
Neustadt/Marching. Nach fast zweieinhalbjähriger Renovierung ist am Sonntag die Filialkirche Marching wiedereröffnet worden. Mehrere hundert Gläubige – darunter mehrere Vereine, alle Neustädter Bürgermeister und viele Stadträte – nahmen an der Feier der Filialkirche „Zu unserer Lieben Frau“ teil.

Die Feier begann mit einem Kirchenzug am Gasthaus Paulus. Musikalisch begleitet von den „Donautalern“ aus Pförring ging es von dort hinauf zum Marchinger Kirchberg, wo bereits viele Gläubige warteten. Da, am Eingang zum Friedhof und zur Kirche, hielten die Gläubigen inne. Pfarrer Monsignore Johannes Hofmann spendete den Segen, ehe die Teilnehmer des Fests ins Gotteshaus zogen und Eucharistie feierten.

Hofmann nutzte die Gelegenheit und bezog Stellung – auch und gerade aufgrund der Vorkommnisse in der Diözese Limburg. „Was würde Papst Franziskus dazu sagen?“, fragte Hofmann in seiner Predigt. „Schließlich haben wir ja einige 100000 Euro ausgegeben für die umfassende Sanierung dieses Gotteshauses. In diesen für die Kirche in Deutschland schweren Wochen ist der Papst, der aus Argentinien kommt, Kronzeuge, um eine Kirche zu propagieren, die arm ist, die sich auf die Seite der Menschen stellt. Das ist gut so. Dieser Auftrag aber gehört zur Kirche nicht nur, weil es der neue Pontifex sagt, sondern seit Gottes Sohn als armseliger Säugling in einem Stall geboren wurde und sich ein für alle Mal zu denen gesellt hat, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Und die, die Armut und Einfachheit von anderen fordern, müssen sie selber auch leben, sonst würden wir durch das heutige Evangelium ziemlich ertappt.“ Dort steht, dass Jesus, wie so oft, mit den Gesetzeslehrern in Konflikt kommt, die sich in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit genügen und andere verachten. „Da ist der sich brüstende Pharisäer, der so dankbar ist, nicht so zu sein wie der ungeliebte Zöllner. Er zählt auf, was er tut, was er leistet und spürt nicht, dass er haargenau am Wesentlichen vorbeilebt.“

Warnung vor Überheblichkeit

Darum möge, so der Monsignore, mag die Wiedereröffnung der Kirche auch zur eigenen Gewissenserforschung helfen. „Wie lebe ich? Wie lebe ich meinen Glauben? Wie benehme ich mich? Wie ist mein Blick auf den Nächsten, wie denke ich von ihm? Schaue ich verächtlich auf andere herab? Komme ich mir besser vor als andere, und, vor allem, bin ich demütig, zurückhaltend, behutsam?“

Vielleicht, so Hofmann unlängst auch im Pfarrbrief der Gemeinde St. Laurentius, sei den Menschen von heute diese Haltung etwas oder ganz abhandengekommen in einer Welt, in der so viel auf Schein und Äußerlichkeiten angelegt sei. „Da sind Lug und Trug nicht weit, da macht sich Überheblichkeit schnell breit.“

Welcher Aufwand für ein Gotteshaus betrieben werde, sei auch unter dem Aspekt zu sehen, dass sich Menschen ein Gotteshaus errichtet haben, „nicht weil sie protzen oder angeben wollten, sondern weil Gott in ihrer Mitte wohnen sollte und sie einen Ort brauchten, um ihn anzubeten. Sie haben diesen Ort geschaffen, der sie immer wieder herausholte aus den Mühen der Arbeit“. Reich ausgeschmückte Kirchen mit ihren Bildern und Figuren seien früher die Bibel der Armen gewesen. Viele Menschen konnten nicht lesen und schreiben. „Es galt, den Himmel abzubilden und hereinzuholen in diese unsere Welt.“

Wohlfühlen ist wichtig

Deshalb dankte der Geistliche nicht nur allen, die auch bei der aktuellen Sanierung der Kirche „Zu unserer Lieben Frau“ geholfen haben. Er forderte zugleich auf, das Gotteshaus auf dem Marchinger Kirchberg zu nutzen.

Dazu gehörte auch, dass am Ende der Kommunion das Allerheiligstes in den Tabernakel zurückkehrte und das Ewige Licht angezündet wurde. Gleichwohl, betonte Hofmann, bleibe noch einiges zu tun. „Manches geht noch ab und ist noch nicht an der richtigen Stelle. Am ehesten merken wir es, dass wir noch keinen Ambo haben, einen Ort, wo Gottes Wort verkündigt und ausgelegt wird.“

Josef Burghard war während der vergangenen zweieinhalb Jahre Bindeglied zwischen Kirchenverwaltung und Gläubigen. er wies bei der Agape, die sich an den festlichen Gottesdienst anschloss, darauf hin, dass es während der Renovierung immer wieder neue Überraschungen am Gebäude gegeben habe. Auch das habe zur Verlängerung der Bauzeit beigetragen. In Anbetracht des Umstandes, dass allein die Deckenbalken der Kirche aus den Jahren 1345/46 stammen, sein ein halbes Jahr mehr Zeit für die Sanierung kein Problem.

„Wichtig ist, dass man sich jetzt wohlfühlt“, betonte Neustadts Erster Bürgermeister Thomas Reimer. Er stellte zum Umfang der Arbeiten klar, dass man all das habe herrichten lassen, was über viele Jahrhunderte Bestand war. Zwischen 2011 und 2013 habe die Stadt dafür 110 000 Euro an Zuschüssen gewährt.


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