Aus der MZ vom 30.11.2013

Domorganist lässt die Orgel der Pfarrkirche singen

MUSIK
Der Regensburger Kirchenmusiker Professor Franz Josef Stoiber hat auf der Kögler-Orgel der
Pfarrkirche St. Laurentius eine wunderbare CD eingespielt.



VON JOCHEN DANNENBERG, MZ

NEUSTADT. Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Christen freuen sich auf das Fest der Feste, die Geburt Jesu Christi. Es ist Sonntagabend in der Pfarrkirche St. Laurentius. Gerade ist der Andreasmarkt zu Ende gegangen. Eilig werden Stände und Hütten rund um die Pfarrkirche abgebaut. Autos rangieren, Kisten werden geschleppt. In der Pfarrkirche treffen sich zu dieser Stunde zahlreiche Bürger, um Gottesdienst zu feiern. Der Gottesdienst ist für die meisten der Anwesenden zumindest ein kleines, verfrühtes Weihnachten, denn an der neuen Kögler-Orgel spielt an diesem Abend Professor Franz Josef Stoiber, langjähriger Leiter der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg.

Welch' ein Auftakt!

Dass der Professor an diesem kalten Tag, dem noch deutlich ungemütlichere folgen sollten, die „Königin der Instrumente" spielt, ist kein Zufall. An diesem Abend, im Anschluss an den Gottesdienst, wird die CD „Alles meinem Gott zu Ehren" im Pfarrheim vorgestellt. Kostproben aus dem Tonträger gibt es bereits während der Messe.
Domorganist Professor Franz Josef Stoiber (hier an der Orgel in St Laurentius in Nesutadt) schätzt die Orgeln von Orgelbau- meister Kögler aus St. Florian in Österreich.    Foto. Dannenberg
Und so stimmt Stoiber, während um die Kirche herum noch emsig gearbeitet wird, im Gotteshaus jedoch Ruhe eingekehrt ist und die Kerzen am Altar scheinen, Präludium und Fuge G-Dur von Johann Sebastian Bach an. Leicht, freudig und tänzerisch erschallt die Fuge im Gotteshaus. Welch' ein Auftakt!
Bach, wird der Professor später beim Empfang im Pfarrheim sagen, musste sein. Wer sonst. An Bach kommt kein Kirchemusiker und ein Organist vorbei. Doch nicht nur der große Bach wird auf der CD verewigt, auch Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Improvisationen Franz Josef Stoibers sind dabei.
Was der Regensburger Professor den Gottesdienstbesuchern an diesem Abend auf der Kögler-Orgel bietet, hat man in dieser Qualität nur selten in Neustadt gehört. Immer wieder drehen sich deshalb Menschen während des Gottesdienstes um, als wollten sie sich vergewissern, ob es denn wirklich „ihre" Orgel ist, auf der da gerade gespielt wird. Die Zuhörer sind begeistert. Und wenn sie sich getraut hätten, hätten sie im Anschluss an den Gottesdienst ganz kräftig applaudiert und Zugaben verlangt. So müssen sie sich mit der neuen CD begnügen.

Monsignore Johannes Hofmann, der den Anstoß zur Einspielung des Tonträgers gegeben hatte, erinnert beim anschließenden Empfang im Pfarrheim an die Sanierung der Pfarrkirche vor einigen Jahren, an die Anschaffung der neuen Orgel und die Mitwirkenden und Unterstutzer dieses Projekts. So hat der frühere Neustädter Jahrespraktikant Bernard Mallmann, ein Schüler Stoibers, der im vorigen Jahr in Rom zum Priester geweiht wurde, an den Aufnahmen für die CD mitgewirkt. Seine Eltern wohnen an diesem Abend genauso dem Gottesdienst und dem Empfang bei wie Orgelbauer Christian Kögler aus St. Florian in Österreich mit seiner Familie, Bürgermeister Thomas Reimer und die Sponsoren (Zahnarztpraxis Dr. Martin Kramei, Katholische Frauenbund Neustadt, Raiffeisenbank Neustadt, Kreissparkasse Kelheim, LIGA-Bank Regensburg, Familie Ludwig Reng Neustadt, Turmuhren Georg Rauseher Regensburg) sowie Organisten u.a. aus Eichstätt, Passau und Berching.

Im Pfarrheim gestand Professor Stoiber seine Vorliebe für die Orgeln aus Österreich. „Ich schätze die Orgeln von Orgelbaumeister Kögler", sagt Stoiber und erklärte, als er davon gehört habe hörte, dass es in Neustadt eine Kögler-Orgel gebe, sei er sofort interessiert gewesen, sie zu spielen. Bereits bei seinem ersten Besuch in der Pfarrkirche St. Laurentius – das Gotteshaus soll menschenleer gewesen sein – habe er versucht, auf der Orgel zu spielen. Doch alle Bemühungen, den Schlüssel für das Instrument zu finden, fruchteten nicht. Die üblichen Verstecke für den Schlüssel, in denen er suchte, waren leer.
Stoiber erläuterte: „Ich mag keine lauten Orgeln. Orgelbaumeister Kögler baut dagegen singende Orgeln. Natürlich haben sie auch Kraft, Wärme, klangliche Vielfalt und Farbigkeit." Dies habe er mit der CD, die ein Orgelporträt sei, darstellen wollen. Darum wurden für den Tonträger denn auch Stücke ausgewählt, die in ihrer Vielfalt von Klangmischungen das Instrument wiedergeben. Zu den Improvisationen aus seinem eigenen Schaffen stellte der Professor fest: „Da kann man dann immer noch die Register ziehen, die man vorher nicht ziehen konnte."

Kurz vor Cäcilia veröffentlicht

Monsignore Johannes Hofmann (links) und Domorganist Professor Franz Josef Stoiber freuen sich über die neue CD.

Und so stehen, weiter vorn auf der CD, die Sehübler-Choräle dafür, die Solo- stimmen der Orgel darzustellen. Mozarts Fantasie f-moll ist originell und fantasievoll, wobei das Adagio die Orgel als Instrument für Trauermusik, das Allegro hingegen für das bewegte Leben zeigt. Felix Mendelssohn Bartholdys 2. Sonate in c-Moll gibt weitere Eindrücke von der Vielfalt der Orgel.
Dass die CD zum Ende des Kirchenjahres vorgestellt wurde, wo ihre Präsentation doch auch sehr gut zum Auftakt des Kirchenjahres gepasst hätte, ist kein Zufall Das Datum der Veröffentlichung hatte rein gar nichts mit dem Kirchenjahr zu tun. Der Tonträger wurde kurz nach dem Gedenktag der heiligen Cäcilia vorgestellt. „Der Legende nach soll Cäcilia aus einer römischen Adelsfamilie abstammen und um das Jahr 200 in Rom geboren worden sein", sagt Monsignore Hofmann. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und seit dem Spätmittelalter wird sie ale Patronin der Kirchenmusik verehrt Sie trägt als Attribute entweder eine Orgel oder eine Geige bei sich. Zu ihrem Gedenktag wurden große Kompositionen aufgeführt. Unter den Komponisten, die dazu Werke beitrugen finden sich Henry Purcell, John Blow und Georg Friedrich Händel.


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