Die Fastenzeit

Im Zuge der Innensanierung der Stadtpfarrkirche St. Laurentius 2006 bis 2009 wurden auch die Fenster des Kirchenschiffes mit den Kreuzwegbildern renoviert.
In der Fastenzeit wird in St. Laurentius jeden Freitag und Sonntag der Kreuzweg gebetet.
 
Die Bilder zeigen die Stationen 1 bis 11 in den Fenstern, die Stationen 13 und 14 sind Gemälde.

DAS NEUSTÄDTER FASTENTUCH

Die vierzigtägige Fastenzeit hat ein klares Ziel: die Heilige Woche, in der Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi gefeiert werden.  Deshalb sind viele altehrwürdige Fasten- oder Hungertücher, die sich erhalten haben, mit den Szenen der Passion bemalt, andere beginnen bereits mit Bildern von Ereignissen im Alten Bund. Befragen wir aber die Liturgie und deren Leseordnung und Texte, so tauchen darin allenfalls die Leidensweissagungen Jesu auf. Alles andere diente einst dazu, die Katechumenen, d.h. die Taufbewerber, die das Taufsakrament in der Osternacht empfangen wollten, mit der christlichen Botschaft vertraut zu machen. Dies gilt auch noch heute für die Gemeinden, dass gerade nicht mit Lehrsätzen, sondern durch das lebendige Wort der biblischen Schriften das Heilshandeln Gottes durch Jesus erzählt und vergegenwärtigt wird. Marksteine auf diesem Weg auf Ostern zu sind die Evangelien der sechs Fastensonntage. Die Liturgiereform hat auf drei Lesejahre verteilt die Themen erweitert.
Nach der Beauftragung und Vorlage verschiedener Entwürfe war im Juni 2011 Stadtpfarrer Johannes Hofmann auf meinen Vorschlag eingegangen, Evangelien der Fastensonntage in einfachen hell-dunkel-Bildern zu einem Hungertuche zusammenzufügen, so dass das ganze Tuch acht dunkle Felder mit hellen Figuren und sieben helle Felder mit Texten enthält.

Die Reihenfolge widerspricht zwar aller Lesegewohnheit, bewährt sich jedoch, weil man oben rechts am Palmsonntag ankommen will. Nicht nur die Taufbewerber, die ganze Pfarrgemeinde ist aufgerufen, den Weg auf Ostern hin mit Jesus und den Jüngern mitzugehen. Dabei erleben wir Jesus in gegensätzlichen Situationen und Reaktionen.
1. Jesus in der Wüste, der schlagfertig die biblischen Argumente des Widersachers mit Schriftworten konterkariert, 
     bis dieser von ihm ablässt.

2. Zornentbrannt schwingt Jesus die Geisel und wirft die Wechslertische beiseite, um die Würde des Gotteshauses
    klarzustellen.

3.  Im Gespräch mit Nikodemus identifiziert sich Jesus selbst mit der Kupferschlange, die Moses „erhöhte“, mit der
    Zusage, dass sie denen zur Heilung hilft, die sich aufraffen, um aufzuschauen.

4. Der Dialog mit der Samaritanerin aus Sychár zeigt uns einen Jesus, der zuhören kann und die Frage der Frau klärt,
     wo Anbetung Gottes geschieht.

5.  Am Lazarusgrab widerstreitet Jesus dem Todesschicksal des Freundes und ruft ihn ins Leben zurück.

6. Auf dem Tabor sprechen Elias und Mose, Repräsentanten des Alten Bundes, mit Jesus über das Schicksal, das
    ihm in Jerusalem auferlegt werden wird.

7. Jesus als behutsam heilenden Arzt erlebt der blinde Bartimäus vor den Toren Jerichos und sieht das Licht.

8. Als Davidssohn und Messiaskönig zieht Jesus in Jerusalem ein – die Karwoche beginnt, aus Hosanna- werden
    Crucifige-Rufe.

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Ob das Fastentuch, das ein leuchtendes Kreuzbild im Hochchorfenster verdeckt, für die Pfarrgemeinde zur Entdeckung der Jesusbotschaft hilft? Man möchte es hoffen!
Dann hat sich die Mühe mit dem 3 m breiten und fast 4,5 m hohen Leinentuch gelohnt.

Frohe Ostern                        F.B.Weißhaar

PS.
Es gäbe noch vieles zu Einzelheiten zu erzählen, wie den „gestellten Fuß des Teufels“, die grünen Heiligenscheine auf Heilshoffnung hin, den hebräischen und arabischen Jesusnamen, den blauen Kopfbund der Smaritanerin und das Rot des Zügels am Eselein, auch die rote Kreuzstange für die Schlange und deren Charakterisierung als Sandviper.
Ein eigenes Kapitel wäre die Sohn-Davids-Anrufung des Bartimäus und daraus folgend die „Jesus-Gebet-Tradition“ im Mönchtum der Ostkirchen. Und und und... . Aber das alles kommt später.
Aus dem köstlichem Wachs der Bienen bereitet


Im großen Osterlob, das nach dem lateinischen Anfangswort auch Exsultet genannt wird und den Hl. Augustinus zum Verfasser haben soll, wird vom Diakon oder dem zelebrierenden Priester in hymnischer Sprache das Geheimnis der Osternacht verkündet und gedeutet. Im Zentrum steht die Osterkerze, deren Wachs den heiligen Leib des auferstandenen Herrn Jesus Christus versinnbildet, an dem die verklärten Wundmale der Kreuzigung aufleuchten.

In der feierlichen liturgischen Form der Präfation preist der Diakon die Nacht, die vom Lichtglanz des Auferstehenden erhellt wird. Der Lobpreis wendet sich an Gott den Vater und bittet ihn, die Kerze als festliche Gabe anzunehmen, denn aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie ihm dargebracht von seiner heiligen Kirche durch die Hand ihrer Diener. Noch ein zweites Mal wird der Fleiß der Bienen gerühmt, die das Wachs bereitet haben, das schmelzend die Flamme nährt. Opus apum, das Werk der Bienen, die das Wachs als Gefäß für ihr anderes köstliches Produkt, den Honig, erzeugen, erscheint uns Menschen seit eh und je als etwas wunderbar Unbegreif- liches, so dass die liturgische Sprache die Biene im Exsultet sogar mit dem Ehrentitel Mutter Biene ausstattet, mit einem Titel also, den die Kirche für sich selbst gerne in Anspruch nimmt.

In diesem Jahr hat Pfarrer Sven Grillmeier, an den sich viele noch als Kaplan erinnern, für Neustadt eine Osterkerze aus reinem Bienenwachs besorgt. Bemalt und gestaltet wurde die Kerze in bewährter Weise von unserem verehrten Künstler Franz Bernhard Weißhaar. Wer genau hinschaut , kann auch einige Bienen entdecken, die von der Osterkerze, die ja Christus bezeichnet, nicht lassen können, uns zur Ermutigung und zur Nachahmung.


Die Feier der Osternacht

Der beeindruckendste Gottesdienst des Jahres ist die Feier der Osternacht am Ostersamstag mit der Lichtfeier, der Tauffeier und der Eucharistie.
Die Bilder zeigen den Beginn der Feier mit der Karfreitagsratsche (anstelle der Kirchenglocken), die Lichtfeier, die Taufe von zwei Erwachsenen am Taufstein und die Eucharistiefeier mit Stadtpfarrer Msg. Hofmann, Pfarrvikar P. Georg, Pfarrer i.R. Harald Kamhuber und Diakon Bernard Mallmann.

Fotos: Thomas Mayer


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