Neustadt 1701
  Michael Wening, Ansicht der Stadt Neustadt a.d. Donau, 1701 /  Bayerische Staatsbibliothek München
Neustadt an der Donau
Stadtpfarrkirche St. Laurentius
Dekanat: Abensberg-Mainburg
Bistum: Regensburg

Geschichte und Gestalt der Stadt

Im Jahr 1270 gründete Herzog Ludwig  II. der Strenge von Oberbayern den Ort in Donaunähe zur Nutzung und Kontrolle der Strecke von Ingolstadt nach Regensburg zu Wasser und zu Land.
Durch eine in jener Zeit nicht unübliche Siedlungsverlegung sind die  Altsiedlungen
‚Seligenstadt’ und ‚Trephenau’ wohl mitsamt ihren Funktionen in der Neusiedlung Nova Civitas  [= Neustadt] aufgegangen. Bereits 1273 gewährte der Stadtherr den Bürgern ein erstes Stadtrecht. Vor 1290 wurde  eine  Zollstätte  errichtet,  die  vor allem  für  den  Salz-und Viehverkehr von Bedeutung war.
1350 folgte die Übertragung des Ingol- städter Rechtes durch Ludwig den Bran- denburger als großer Freiheitsbrief, in dessen Folge die städtischen Strukturen ausgebaut werden konnten.  Erst bei den staatlichen Reformen zu Beginn des 19. Jh. verlor Neustadt seine 500-jährige kommunale Verfassung.
Die geometrische Stadtanlage mit quadratischem Grundriss zu je 300 m Seitenlänge entspricht dem wenig größeren Kelheimer Vorbild; bis spätestens 1363 konnte die Ringmauer geschlossen werden. Die Stadt wird durch die breite, in Nord-Südrichtung verlaufende Durchgangsstraße etwa hälftig geteilt; die Mitte dieser Achse kreuzt  ein  platzartiger  Straßenzug,  der  prominente  Ort  für  die Pfarrkirche  im Westen  und  das  Rathaus  im  Osten,  wobei  dem Kirchturm auch die Funktion des Stadtturmes zukommt. Die Kirche war ursprünglich Filiale der Pfarrei Gögging, 1653 wurde der Pfarrsitz nach Neustadt verlegt. – Das stattliche zweigeschossige Rathaus entstand am Ende des 15. Jh., die Hauptstraßen sind seit dem 17./18. Jh. von zweigeschossigen giebelständigen, im 19. Jh. zumeist erweiterten Häusern bebaut. Nicht wenige Teile der Stadtbefestigung wurden im ausgehenden 19. Jh. geschleift, insbesondere auch die Tore; an der Ost- und Westseite der Altstadt  sind Türme, Stadtmauern und Wallanlagen noch weitgehend erhalten. – Am Ende des 2. Weltkrieges erlitt die Stadt schwere Zerstörungen, der Wiederaufbau erfolgte unter Berücksichtigung der historischen Strukturen. Die Stadt verlor  in der Nachkriegszeit  ihren agrarischen Charakter und wandelte sich zum Industriestandort.

Die Stadtpfarrkirche Sankt Laurentius
Patrozinium: St. Laurentius Festtag: 10. August
Baugeschichte

AltarraumDer Schnittpunkt der beiden großen Straßenachsen  ist  seit den  Gründungs- zeiten der Stadt der Ort für das bürgerliche und kirchliche Zentrum, für Rathaus und Pfarrkirche. Hier wurde im ausgehenden 13. Jh. eine  erste  Kirche  erbaut,  an  gleicher  Stelle    errichtete man im ausgehenden 15. Jh. die mächtige LaurentiusKirche  als  spätgotische  Hallenkirche,  deren  Architektur  bis  zu  den Zerstörungen von 1945 mit ihrem Chorturm über quadratischem Grundriss  vollständig  erhalten  geblieben war.  Ein Netz gewölbe  überspannte  in  gleicher  Höhe  Chor  und  Langhaus  zu  sieben  Jochen, die Seitenschiffe  schlossen  im Osten mit Schrägen. Die Innenausstattung der Kirche war jedoch durch die Jahrhunderte, bedingt durch die wechselnden  liturgischen Anforderungen ebenso wie auch den jeweiligen Zeitgeschmack, verrändert worden. Bis 1945  waren  Teile  der  spätgotischen  Ausstattung  überkommen,  so  der  Taufstein,  einige  Figuren,  Flügel  eines  Schreinaltärchens und nicht zuletzt zahlreiche Epitaphien, deren  ältestes von 1483 datiert. Altarfügel,  einige Figuren  sowie  ein  Teil der Epitaphien/ Gedenksteine haben sich erhalten. Einen spätgotischen Kruzifxus veräußerte man nach 1920 nach Ingolstadt,  St. Moritz.
MonstranzSelbst während des 30-jährigen Krieges wurde die Kirche weiter  ausgestattet: um 1640 entstand die reiche Monstranz mit  Ingolstädter Beschauzeichen. Nach dem Krieg konnten 1673 und 1683 Glocken neu angeschafft werden. Im  bau-und ausstattungsfreudigen  Barock- zeitalter  wurden  schrittweise umfassende Änderungen am Äußeren und im Inneren  der Kirche vorgenommen: 1723 erhielt der Turm ein neues Obergeschoß, ausgeführt vom örtlichen Maurermeister Lorenz Zeller,  1741 wurden neue Kirchenstühle angeschafft. 1743 folgte die Errichtung neuer Seitenaltäre, beauftragt waren Neustädter Handwerker, der Schreiner Balthasar Schnidtmann sowie der Fassmaler  Christian Fröhlich. 1773 erhielt der Turm eine neue barocke Kuppel. Den Abschluss der Umgestaltung im Inneren bildete die Anschaffung des neuen Hauptaltares, dessen Altarblatt von 1779 das  ‚Martyrium des hl. Laurentius’ von Christian Fröhlich, Kopie nach  Joachim von Sandrart d. Ä., zeigte. Zu diesem Zeitpunkt gab es in  der Pfarrkirche fünf Altäre: Den Hoch-und Fronaltar St. Laurentius auf den Chorantritts-Stufen, auf der Südseite den Marienaltar  an der Chorschulter sowie den Katharinen-Altar in der Mitte; auf  der Nordseite an der Chorschulter den Josephs-Altar und mittig  den Sebastians-Altar.  Der um das Kirchengebäude gelegene Friedhof wurde 1802 an die  Nikolaus-Kapelle  verlegt,  1817 war  jedoch noch  ein Karner  auf  der Südseite der Kirche vorhanden.  In der Mitte des 19. Jh.  sah  man jedoch die barocke Innenausstattung mit Unbehagen, so entstand unter Pfarrer Joh. Nep. Poitsch 1854–1867 die neugotische,  „dem Baustyle der Pfarrkirche nicht unangemessene“ Ausstattung  mit drei Altären, dem Hochaltar nun im Chorraum, zwei Seitenaltären von P. Ildephons Lechner OSB  Metten, einer Kanzel von Prof. Horchler,  Regensburg,  und  einem  neuen  Kreuzweg.
1899/1900  kam  es  zur  nächsten  Innenrenovierung  unter  der  Leitung  von Maler  Scholz,  entsprechend  der  Raumfassung von Hl. Geist in Landshut. Eine neue Orgel wurde 1902 gestiftet. Die nächste Gesamt-Renovierung  leitete  Bildhauer  Hans  Loibl,  Regensburg  1929;  dabei  wurden  im  Inneren ältere Wand- und Deckengemälde entdeckt, deren Konservierung  jedoch aus Mittelknappheit unterbleiben musste.
Am Ende des 2. Weltkrieges,  im April 1945, wurden Kirchturm und Kirchenausstattung  durch  Artilleriebeschuss und Tieffieger beschädigt; im  Oktober  1945  kam  es  zum  Einsturz  des Turmes und in der Folge zur Zerstörung des Chorgewölbes  sowie  zur  teilweisen Vernichtung von Dachstuhl  und weiterer Ausstattung. 

KonsolbuesteDie Aufbauarbeiten unter der Leitung  von  Regierungsbaumeister  Franz  Günthner,  Regensburg,  gestalteten  sich  wegen  Mangel  an  Baumaterialien und fnanziellen Mitteln außerordentlich  schwierig. Dabei wurde  das  Langhaus im zerstörten östlichen Bereich um ein Joch verlängert und die Abschlusswände der Seitenschiffe  verändert. Der Grundstein  zum  Teil-Wiederaufbau  unter  Pfr.  Josef  Fichtl  nennt  das  Jahr  1947[8?],  Grundsteinlegung  18. Juli 1948. Unter Verzicht auf eine Rekonstruktion erfuhr der  somit weiter östlich verlagerte Chorturm  eine Neugestaltung,  in  der Entstehungszeit  als  Friedenslicht  in  Form  einer  brennenden  Kerze verstanden. Die Kirchweihe vollzog Erzbischof Dr. Michael  Buchberger im Jahr 1951. Der neue Kreuzweg, Glas- und Brettmalerei von Robert Rabolt konnte 1956  geweiht werden. 

Die  nun  abgeschlossenen  Erneuerungsarbeiten unter Regionaldekan  und  Stadtpfarrer  Msgr.  Johannes  Hofmann  waren  am  Äußeren  ab  1997 dem Ing. Büro H. Siegmüller,  Regensburg,  übertragen.  Bedingt  durch  die  Hochwasserkatastrophe  vom Jahr 1999 kam es zu einer Unterbrechung  der  Bauarbeiten.  Ab  2002/03 war  für die  Innenerneuerung Dipl.  Ing.-Arch. FH Peter Fischer, Neustadt, verantwortlich. Die  künstlerische  Leitung  oblag  Prof.  em.  Franz  Bernhard  Weißhaar,  München- Landsberg,  der  die  Entwürfe für die Umgestaltung des Chorraumes mit Zelebrationsaltar,  Ambo und Tabernakel ebenso wie für die neue Gestalt der Seitenaltäre an den Chorschultern und das Olearium fertigte. Weiter entwickelte er zusammen mit P. Fischer die Pläne für Kirchengestühl  und Beichtstühle, mit Orgelbauanstalt Christian Kögler, St. Florian, den Orgelprospekt. Schließlich war ihm auch die Erweiterung  des Bestandes der Farbfenster übertragen. Die Weihe des neuen  Altares nahm Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller am Kirchweihsonntag des Jahres 2007 vor.

Außenbau

Der verputzte Ziegelbau  aus dem Ende des 15.  Jh. überragt die  Hauslandschaft  der  Kernstadt,  sein  durchlaufendes  Satteldach  überdeckt sowohl den Chor wie das Langhaus zu acht Jochen. Die  originalen, im Spitzbogen schließenden Portale liegen in der äußersten westlichen Achse. Neu geschaffen  sind die Zugänge mit  Vorhallen an der Südseite in der 4. Achse sowie im Norden in der  2. Achse. Die ebenso im Spitzbogen abschließenden Fenster sind  durch je zwei senkrechte, durchgehende Rippen gegliedert. Haustein wird sparsam in einzelnen Gewänden verwendet. 

Über dem eingezogenen Chor erhebt sich der hohe Chorturm zu  fünf Geschoßen aus Marchinger Drosselfels (Kalkstein), mit hohen  Schallöffnungen  des  Glockengeschoßes  in  Dreierreihung;  darüber  das  durch  Giebel  überfangene  Uhrengeschoß  mit  gestäbter Flächengliederung in Anlehnung an die Rathausfassade.  Den Abschluss bildet ein  schmales, hohes Türmchen mit pyramidaler  Dachung  über  achteckigem  Grundriss;  Sakristeibau  über  zwei  Geschoße  an  der  Nordseite  des  Chores,  Neubauten  von  1948/51, Architekt  Franz Günthner,  Regensburg.  –  Epitaphien s. u.

Das Kircheninnere

Die  lange  spätgotische  Halle  zeigt  sich  nach  Abbruch  der  Orgelempore im Westen licht und weit. Sie ist durch Rundpfeiler in  drei  Schiffe  geteilt  und  von  einem  Sternrippengewölbe  überspannt.  Die  spitzen  Scheidbögen  entwachsen  den  Rundpfeilern  ohne  Vermittlung.  Die  Gewölberippen  ruhen  auf  Konsolbüsten  oder  Wappenschilden,  die  wohl  auf  Stifter  der  ortsansässigen  Adelsund Bürgerfamilien hinwiesen. Das Fußbodenniveau liegt  seit dem Wiederaufbau 30–40 cm über dem originalen spätgotischen Fußboden. – Die Gewölbeschlusssteine sind  in Schildform  ausgebildet, die seit einer der Erneuerungen des 20. Jh. christliche  Symbole tragen: im Mittelschiff sind die Werke der Barmherzigkeit thematisiert, im Süden Christuszeichen zu Passion und Auferstehung, im Norden die Sieben Sakramente sowie Symbole aus der  Lauretanischen Litanei. 

Der quadratische Chor aus der Wiederaufbauzeit hat die Breite des  Mittelschiffes und  ist  in der Wölbung  angeglichen. Die Neufassung des Raumes mit den akzentuierten, zart rot getönten Gewölberippen  ist  eine  Rekonstruktion  nach  Befund;  ein  kleiner  Rest  von freigelegter originaler Rankenmalerei ist konserviert. 

Chorraum 
vAuf der  ins Vorchorjoch vorgezogenen Stufenanlage erhebt sich  der Zelebrationsaltar aus einem Block sowie der Ambo aus Drosselfels-Kalkstein mit Metallapplikationen,  AmboEntwurf  F.  B. Weißhaar 2007.
Die Inschrift auf dem Reliquiengrab verweist auf die  eingeschlossenen Reliquien und das Weihejahr: „HIC RELIQ. SCV.  EMERAMI. MAR  /  TYR. WOLFGANGI  /  ET  ERHARDI  /  COFS.  /    EPISCOPORV. RA- / TISBONENSIUM / SEPULTAE MMVII“. Der Altar steht etwa an der Stelle des ehem. Hochaltares vor der Zerstörung des Chorraumes. – Das  raumbeherrschende Glasbild  in der  Ostwand von Robert Rabolt, 1957, zeigt den Gnadenstuhl (Dreifaltigkeitsdarstellung), begleitet von der stehenden Mariengestalt als  ‚Schmerzhafte Mutter Gottes’ und dem Kirchenpatron St. Laurentius mit dem Rost. Die Stiftungsinschrift  zuunterst verweist  auf  Zerstörung und Wiederaufbau 
„ANNO 1945 WURDE DAS GOTTESHAUS  /  DURCH  BOMBEN  ZERSTöRT.  DER  /  OPFERWILLE   DER GEMEINDE HAT / ES WIEDER AUFGEBAUT UND UM 2 JOCH  / VERLÄNGERT. ANNO 1946–50“.
Darunter die Mensa des Hochaltares der Wiederaufbauzeit, mit dem Eucharistischen Tabernakel, 2008 umgearbeitet.

Hoch in der Nordwand zeigt das Segens-Wunsch-Fenster in urkundenähnlicher Formulierung die Baugeschichte der nun abgeschlossenen Renovierung: „+ IN NOMINE SANCTAE / ET INDIVIDUAE /  TRINITATIS  AMEN.  /  GEGEN  ENDE  DES  20.  JAHR HUNDERTS  WAR  DIE  NACH  DEM  /  2. WELTKRIEG WIEDER AUFGEBAUTE  STADTPFARRKIR/ CHE ST. LAURENTIUS IN NEUSTADT AN DER  DONAU  /  SANIERUNGSBEDÜRFTIG GEWORDEN,  SO DASS  REGIO/ NALDEKAN STADTPFARRER JOHANNES HOFMANN MIT /  SEINER  KIRCHENVERWALTUNG  EINE  ERNEUERUNG  VOR /  SCHLUG.  ...URBEM  /  TUAM  CHRISTE  SERVA“. In  der  Südwand  befndet sich das Laurentius-Fenster, beide 2007 von F. B. Weißhaar.

Langhaus
Seitenaltäre 
Marienaltar geschlossen


Im Norden: Marienaltar: Die Flügel eines spätgotischen Schreinaltärchens umfassen
die stehende Figur Mariens mit dem Kind.

Die  Malerei zeigt auf den Flügel-Innenseiten:  > Enthauptung Johannes d.  Täufers bzw.
Johannes Ev. mit dem Giftbecher.

<  Außenseiten: Verkündigung an Maria. Kostbare Malerei aus dem Ende des 15. Jh.; die Architektur- partien sind wohl Anf. 17. Jh. übermalt. Die Marienfgur, um  1500, ist unbekannter Herkunft.

Darüber in der hohen Ostwand des  Nordschiffes das kleine Fenster mit der ‚Flamme des Dornbusches’, 
F. B. Weißhaar 2007.
Marienaltar offen
An der Chorbogenwand befndet sich unter dem  Bronzepult für das Evangelienbuch, 2007, der Grundstein vom Beginn  des Wiederaufbaues mit der Inschrift: „PRO REAEDIFICANDO / HOC  TEMPLO BELLICO / IN CVRSV DIRVTO + / HIC LAPIS PRIMARIVS /  BENEDICTVS ET COLLOCATVS / ANO DOMINI MDCCCCXLVII[I?] / IN  MEMORIAM SANCTI / LAVRENTII + MARTYRIS“.

St. Laurentius
Laurentius Zum Kirchenpatron

Der in Aragón in Spanien geborene  Laurentius  wurde  von Papst Sixtus II. († 258) zum Diakon  geweiht. Er verwaltete in Rom während  der Christenverfolgung  das  Kirchenvermögen und verteilte es vor seinem Tod an  die Notleidenden. Nach  der Überlieferung erlitt er sein Martyrium auf dem Rost. Über seinem  Grab  wurde  die  Basilika San  Lorenzo  fuori  le mura  errichtet, eine der  sieben Hauptkirchen der Stadt Rom.
Sein Kult ist über das gesamte Abendland  verbreitet. In Deutschland wird ihm seit dem
Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld  am  10.  August  955 eine  besondere  Verehrung  zuteil.  –  Sein  Fest  wird  bereits seit dem 4.  Jh. am 10. August gefeiert.
St. Wolfgang Im Süden:

Wolfgangsaltar mit der Figur des hl. Wolfgang, Patron von Diözese und Stadt Regensburg, seitlich begleitet von den Figuren der vier abendländischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen auf Stangen, die bei Prozessionen mitgetragen werden können, alle Figuren aus dem neugotischen Hochaltar 1854/67.
Kirchenväter
Das Kirchengestühl mit Wangen aus Eichenholz von 2007 lässt die 7 gewölbetragenden Rundpfeiler-Paare freistehend erleben.

Der Kreuzweg R. Rabolt schuf den bedeutenden Kreuzweg, der 11 Stationen als Farbglasfenster im jeweils unteren Register der Seitenschiff-Fenster zeigt, im ersten Joch der Südseite beginnend.
Station1_4
Station5_8
Station9_11
Die Stationen 12–14 dagegen, Kreuzigung
und schließlich Kreuzabnahme und Grablegung,
sind jeweils als Brettmalerei in der zweiten
und ersten Achse auf der Nordwand angebracht,
1950/56.
Station12_14

Taufbecken
Der Taufbereich 


Der Taufstein aus der Wiederaufbauzeit
stammend, fand seinen neuen Platz im
Zentrum des Kirchenschiffes, dem Schnitt
von Ost-Westund Nord-Südachse auf
einem im Fugenbild der Bodenplatten
erkennbaren Stern einer Windrose,
gemäß dem Taufbefehl in Mt 28,19a

„Gehet hin zu allen Völkern“.


Am nördlichen Pfeiler die jugendliche Figur des Kirchenpatrons, des hl. Laurentius, die einst im Zentrum des neogotischen Hochaltares stand, 1854/67.




An der Nordwand der 4. Achse Olearium
(= öletabernakel), Entwurf F. B. Weißhaar; Ausführung Manfred Lang, Fa. Dochtermann, Augsburg 2007.

Weitere Figuren im Raum
Aus abgegangenen Altären stammen die weiteren Figuren: an der Westwand nördlich Papst Sixtus aus dem neogotischen Hochaltar, südlich die zierliche Figur der hl. Martyrerjungfrau und Musikpatronin Cäcilia, um 1500. – An der Südwand Figur des hl. Sebastian, um 1500, vom ehem. Sebastians-Altar.

Weitere Fenster
In den Kammern unter den kleinen Westemporen Rundfenster mit Adam und Eva, von F. B. Weißhaar (1970 bzw. 2007).


Orgel
 
Vor der Westwand erhebt sich die neue Orgel, 2008 von Orgelbau Kögler, St. Florian, errichtet, mit 31 Registern (zwei Manualwerke, ein Pedalwerk). Prospektgestaltung in Zusammenarbeit mit F. B. Weißhaar.

Das Gehäuse ist aus massivem Eichenholz gefertigt; die verwendeten Materialien sind Reinzinn, Blei, Schafglacéleder und langjährig luftgetrocknetes Eichen- und Fichtenholz.

Als Stimmsystem wurde die Temperatur „Neidhardt – für eine große Stadt“ gelegt. Die Weihe vollzog Erzbischof em. Dr. Karl Braun, Bamberg, am 14. Dezember 2008.

An den kleinen Seitenemporen der Westwand konnten in neuer Verwendung als Brüstungen die Kommunionbänke der Wiederaufbauzeit aus Kalkstein erhalten werden.

Das Rundfenster über der Orgel, 2011/12, von F. B. Weißhaar.
Orgel

Epitaphi
en Karpfenstein
Südlich
1. Achse
   [1] 1530, Sixt Wagmann, querrechteckige Kalksteinplatte. Mit fein gearbeitetem Relief: Weinfuhrwerk als Dreiergespann,
        im Hintergrund Stadtansicht
   [2] 1541/1546, Elisabeth und Thoman Roitmair
3. Achse
   [3] 1701, Karl Jakob Sigismund von Sigershofen. Die Inschrift wird umrahmt von einer doppelten achtreihigen
        Ahnenprobe.
   [4] 1585, Michael und Margaretha Proy. Mit Inschrift und Relief der betenden Familie vor dem Gekreuzigten;
        Familienwappen
5. Achse
   [5] 1572/1585, Sebastian und Magdalena Kugler, gewesener Verwalter des Klosters Biburg
   [6] 1593, Freiherr Ludwig von Stinglheim zu Karpfenstein, Pfeger (Bild links).
        Mit Reliefbildnis des Verstorbenen in Rüstung und Ahnenprobe, Rotmarmor
   [7] 1584, Thomas und Margaretha Preu. Mit Relief der Beweinung Christi, darunter die betenden Gatten mit Töchterlein,
        mit Inschrift und Wappen
7. Achse
   [8] 1556/1568, Michael Proy und seine Frau Margaretha, geb. Roitmair, mit Relief des Gnadenstuhles und der betenden
        Familie [9] 1522, Georg Hueber, Rotmarmor

Nördlich 
7. Achse
   [10] 1514?, Epitaph eines Priesters, Rotmarmor
   [11] 1802, Maria Anna Reichsgräfn von Rambaldi, geb. Reichsfreiin von Heydon auf Niederullrain, mit Wappen
4. Achse Jona
   [12] 1589, Balthasar Mar, Bürger, Gewandschneider und Handelsmann und dessen Frau und deren
          2. Mann. Kalksteintafel mit 3 Reliefzonen: Jona wird  vom Walfsch ausgespien, Anbetung der
          Könige und Familie, mit Inschrift (Bild rechts).

Südliches Vorzeichen innen: 

Östlich

[13] 1551, Hans Jörg von Kuttenau zu Mauern und Familie, mit Wappen 

Westlich
[14] 1755, Johann Nepomuk Nissl, Pfegverwesers Sohn, 8 Jahre
[15] 1642, Joh. Khämbl, kf. Pfegverwesers Tochter Maria Juliana 10 Wochen, mit Wappen

Südliches Vorzeichen außen:
[16] westlich: 2. Hälfte 16. Jh., Epitaph eines Bürgers oder Beamten 15 mit kurzem Schwert
[17] östlich: 1466, Margarethe 16  Brettenbeck, geb. von Wolfstein, mit Allianzwappen; ältestes Epitaph

Am östlichen Ende des südlichen Seitenschiffes:
[18] 1522, Andre und Barbara Mayrhofer. Standfguren der Verstorbenen unter Doppelarkade, Rotmarmor.

Heiliges Grab Zeitweise werden im Kirchenraum gezeigt:

Fastentuch, Malerei auf Leinwand, 2012;

Heiliges Grab, Malerei auf Holz, 2011,

jeweils von F. B. Weißhaar. Weihnachtskrippe;

HerzJesu-Figur, späteres 19. Jh.
Krippe

Geläute:
Glocke 1 (S, Nominal cis1), von Johann Hahn, Landshut, 1950 – Glocke 2 (N, Nominal e1), von Caspar Haslaver, Ingolstadt, 1673 – Glocke 3 (N, Nominal fs1), von Johann Gordian Schelchshorn, Regensburg, 1683 – Glocke 4 (S, Nominal gis1), von Johann Hahn, Landshut, 1950. Die Tonfolge ergibt ein Mollgeläute.

Ziel der Erneuerung der Neustädter Stadtpfarrkirche der Jahre 1997–2009 war eine umfassende Konservierung des Bauwerkes am Äußeren wie im Inneren. Mit großer Sorgfalt wurden die Zeugen aus 500 Jahren Ausstattungsund Frömmigkeitsgeschichte gepfegt und Neues zugeordnet. Die Gestaltung des Chorraumes ist den liturgischen Reformen des II. Vatikanischen Konzils verpfichtet. Die Erweiterung des Fensterzyklus’ gibt der Glaskunst unserer Tage Raum. Eine besondere Gewichtung erhält die Westwand durch die neu errichtete Orgel. Nicht zuletzt wurde der spätgotischen Hallenkirche durch die sorgsame Neufassung der Raumschale mit Zitaten der originalen Bemalung ihre Würde wiedergegeben.
Heide Weißhaar-Kiem

Bibliographie: Baumgartner, Anton: Beschreibung der Stadt und des Gerichtes zu Neustadt an der Donau. München 1783. – Sax, Julius: Chronik der Stadt Neustadt a.D., Landshut 1911. – Mader, Felix: Neustadt a.D. In: Die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern. 4,7: BA Kelheim. München 1922, S. 237–265. – Freilinger, Hubert: Ingolstadt und die Gerichte Gerolfng ... und Neustadt a.d. Donau. München 1977 (Historischer Atlas von Bayern. Tl. Altbayern. 1.) – Paula, Georg: Stadt Neustadt a.d. Donau. In: Denkmäler in Bayern: Kreis Kelheim. München 1992, S. 350–384. – Metzger, Anton: 350 Jahre Pfarrei St. Laurentius, Neustadt a.d. Donau. Neustadt 2003. – Seibert, Hubertus: „Neustadt a.d. Donau“. In: Handbuch der historischen Stätten. Bayern 1: Altbayern und Schwaben. Hrsg. von H.M. Körner, Alois Schmid. Stuttgart 2006, S. 571–572.

Archivalien: Regensburg, Bischöfiches Zentralarchiv: BZAReg. 10, 18; BZAReg. 1945ff., Neustadt 7. – Neustadt, Pfarrarchiv. – Archiv Weißhaar, Landsberg, ‚Neustadt’.


Zeittafel
1270    Stadtgründung durch Herzog Ludwig II. den Strengen v. Obb.
Ende 13. Jh.   Bau einer ersten Kirche als Filiale der Pfarrei Gögging 
wohl 1363    Ringmauer wird geschlossen
ausg. 15. Jh .  Bau der St. Laurentius-Kirche als spätgotische Hallenkirche
um 1640   Monstranz mit Ingolstädter Beschauzeichen
1653   Pfarrsitz nach Neustadt verlegt
1673, 1683   Glocken-Guss
1723   Turm erhält ein neues Obergeschoß
ab 1741   Barockisierung des Kircheninneren
1773   Turmkuppel erneuert
um 1779   neuer Hauptaltar
1802   Friedhof wird an die Nikolaus-Kapelle verlegt
1854–1867   Ausstattung im neugotischen Stil
April 1945   schwere Beschädigung von Bauwerk und Ausstattung durch Kriegshandlungen
Okt. 1945   Turmeinsturz und Zerstörung von Chorgewölbe und Ausstattung
ab 1947   Wiederaufbau und Verlängerung des Bauwerkes
1951   Kirchweihe
1956   Kreuzweg-Weihe
1997–2011   Sanierung am Äußeren und Erneuerung im Inneren
2007   Weihe des neuen Zelebrationsaltares
2008   Orgelweihe

Maße des Bauwerkes

Länge außen: 47,55 m
Breite außen im Westen: 17,48 m
Höhe Innenraum alt: 9,13 m
Höhe Innenraum neu: 8,83 m
Höhe First Langhaus: 20,68 m
Bauhöhe Turm: 60,70 m


Besonders sehenswert
  • Architektur der spätgotischen Halle
  • Konsolbüsten und Rankenmalerei aus der 
    späten Gotik
  • Flügel des Marienaltares
  • Epitaphien/Grabdenkmäler,
    besonders Freiherr Ludwig v. Stinglheim zu
    Karpfenstein, Pfeger, 1593
  • Kreuzweg als Glasfensterzyklus und Brettmalerei
  • Neuausstattung Altar-Ambo-Tabernakel
  • Neue große Orgel
Fotos:
Monstranz, Ambo, Marienaltar, Jona: Anton Brandl, München;
Konsolbüste, Karpfenstein: Thomas Mayer, Neustadt an der Donau
übrige Bilder: Franz Schott, Neustadt an der Donau

Abonnement:
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Die Reihe wurde begründet von Dr. Hugo Schnell † und Dr. Johannes Steiner †.

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ISBN 978-3-7954-6924-5
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Fenster
Grundriss
1  Zelebrationsaltar
 
2  Glasbild Gnadenstuhl mit hl. Maria u. Laurentius

3  Mensa des Hochaltares der Wiederaufbauzeit
 
4   Segens-Wunsch-Fenster ‚Urbem tuam’

5  Laurentius-Fenster
 
6  Marienaltar

7  Grundstein Wiederaufbau

8  Wolfgangsaltar und Kirchenväterstangen
 
9   Kreuzweg
 
10 Taufstein
 
11 Figur des Hl. Laurentius 
 
12 Olearium – Öletabernakel
 
13 Orgel
 
14 Epitaph Frhr L. von Stingelheim zu Karpfenstein
 
15 Epitaph eines Bürgers oder Beamten
 
16  Epitaph der Margarethe Brettenbeck v. Wolfstein