Die Geschichte der Orgel

Eine wesentliche Veränderung der gesamten Raumsituation bei der Innenrenovierung der Stadtpfarrkirche (2006-2009) war die Entfernung der bisherigen pneumatischen Orgel (gebaut 1952) und der Abbruch der Empore an der Westwand aus der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Somit konnte im westlichen Joch über einer niedrigen Sockelzone eine neue hochstehende Orgel von der Orgelbaufirma Christian Kögler in St. Florian / Oberösterreich errichtet werden, die dem gesamten Kirchenraum eine neue und nach oben strebende Perspektive verleiht. Das Instrument hat 31 Register, verteilt auf zwei Manualwerke – Hauptwerk und Schwellwerk – und ein Pedalwerk. Es sind so drei selbständige Orgelwerke in einem Instrument vereint, die durch Koppelungen gemeinsam gespielt werden können. Das neue Gehäuse ist aus massivem Eichenholz gefertigt.
Im Unterbau des Gehäuses wurde der Spielschrank installiert. Das Hauptwerk ist im mittleren oberen Teil der Orgel positioniert. Das Schwellwerk befindet sich hinter den Prospektpfeifen über dem Spielschrank. Das Pedalwerk, welches der Orgel Gravität verleiht, ist in C- und Cis-Seite (die beiden äußeren Türme) untergebracht. Das Instrument, in seiner Funktion rein mechanisch, ist streng nach klassischen Orgelbauprinzipien erbaut. Nur diese Bauweise gewährleistet jahrhundertelange Lebensdauer. Dementsprechend ist die Verarbeitung: Anwendung alter Holzverbindungen, Bearbeitung der Holzoberfläche von Hand, fast keine Verleimungen, keine Verwendung von Schrauben. Die hauptsächlich verwendeten Materialien sind Reinzinn, Blei, Schafglacéleder und langjährig luftgetrocknetes Eichen- und Fichtenholz. Besonderer Wert wurde auf gute Zugängigkeit aller Teile und somit auf Servicefreundlichkeit (z. B. Servicearbeiten ohne Werkzeug wie Schraubenzieher und dergleichen) gelegt. Zwei große Keilbälge, die auf der seitlichen Empore im südlichen Seitenschiff liegen, versorgen die Orgel mit Wind. Diese Art der Windversorgung bewirkt einen weichen wirbelfreien, „musikalischen“ Wind und dadurch eine schöne, klare Ansprache der Pfeifen. Als Stimmsystem wurde die Temperatur „Neidhardt – für eine große Stadt“ gelegt.
Die Prospektgestaltung erfolgte in Zusammenarbeit mit Herrn Professor Franz Bernhard Weißhaar aus Landsberg am Lech, dem auch die gesamte künstlerische Leitung der Umgestaltung der Stadtpfarrkirche anvertraut war.
In großer Freude und Dankbarkeit konnte die Pfarrgemeinde St. Laurentius in Neustadt an der Donau im Jahr der 1750. Wiederkehr des Todes des heiligen Diakons und Märtyrers Laurentius am 3. Adventssonntag, 14. Dezember 2008, die Weihe der neuen Orgel in der Stadtpfarrkirche durch Erzbischof em. Dr. Karl Braun aus Bamberg feiern.